Handkraft, die unterschätzte Kraft hinter Ihrer Gesundheit
Wenn Menschen an Gesundheit denken, denken sie häufig an Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker oder Körpergewicht. Nur die wenigsten würden vermuten, dass ein einfacher Test von wenigen Sekunden erstaunlich viel über ihre aktuelle Gesundheit und sogar ihre zukünftige Lebenserwartung verraten kann.
Genau das zeigt die wissenschaftliche Forschung seit vielen Jahren: Die Handkraft gehört zu den aussagekräftigsten Gesundheitsmarkern überhaupt.
Deshalb ist die Messung der Handkraft ein fester Bestandteil unseres KERN-Checks bei Kraftkern.
Doch warum ist ein kräftiger Händedruck so wichtig? Und was sagt die Handkraft eigentlich über den Rest des Körpers aus?
Was ist Handkraft überhaupt?
Bei der Handkraftmessung wird mithilfe eines sogenannten Handdynamometers die maximale Kraft gemessen, die eine Person mit ihrer Hand aufbringen kann.
Der Test dauert weniger als eine Minute:
- Die Person hält das Messgerät in der Hand.
- Sie drückt mit maximaler Kraft zu.
- Der höchste Wert wird dokumentiert.
- Beide Hände werden getrennt gemessen.
Was zunächst wie ein einfacher Test für die Unterarmmuskulatur wirkt, liefert in Wirklichkeit Informationen über den gesamten Organismus.
Die Handkraft wird heute in Medizin, Geriatrie, Sportwissenschaft und Rehabilitationsforschung weltweit eingesetzt.
Warum die Handkraft so viel über den gesamten Körper aussagt
Die Handkraft misst nicht nur die Kraft der Finger oder Unterarme.
Um maximale Kraft zu erzeugen, müssen zahlreiche Systeme im Körper optimal zusammenarbeiten:
- Nervensystem
- Muskulatur
- Gehirn
- Stoffwechsel
- Herz-Kreislauf-System
- Hormonhaushalt
Eine hohe Handkraft ist daher häufig Ausdruck eines insgesamt leistungsfähigen Organismus.
Eine niedrige Handkraft kann dagegen ein frühes Warnsignal sein, dass wichtige körperliche Reserven verloren gehen.
Forscher sprechen hierbei häufig von der sogenannten „funktionellen Reserve“ des Körpers.
Handkraft und Lebenserwartung
Eine der bekanntesten Untersuchungen stammt aus der PURE-Studie.
In dieser internationalen Langzeitstudie wurden mehr als 140.000 Menschen aus 17 Ländern untersucht.
Das überraschende Ergebnis:
Menschen mit niedriger Handkraft hatten ein deutlich höheres Risiko für:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schlaganfälle
- Krankenhausaufenthalte
- vorzeitige Sterblichkeit
Die Autoren kamen sogar zu dem Schluss, dass die Handkraft zukünftige Gesundheitsrisiken teilweise besser vorhersagen konnte als der Blutdruck.
(M. Leong et al., Lancet, 2015)
Für viele Mediziner war dies ein Wendepunkt in der Bewertung der Muskelkraft als Gesundheitsparameter.
Warum Muskelkraft wichtiger sein kann als Muskelmasse
Viele Menschen konzentrieren sich ausschließlich auf Muskelmasse.
Doch Muskelmasse allein sagt wenig darüber aus, wie leistungsfähig ein Mensch tatsächlich ist.
Zwei Personen können nahezu identische Muskelmasse besitzen:
- Person A entwickelt hohe Kraftwerte.
- Person B entwickelt deutlich geringere Kraftwerte.
Trotz gleicher Muskelmasse unterscheiden sich Leistungsfähigkeit und Gesundheitsstatus oft erheblich.
Deshalb hat die European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP2) ihre Empfehlungen angepasst:
Muskelkraft gilt heute als wichtiger als Muskelmasse.
Die Muskelkraft steht bei der Diagnose einer Sarkopenie sogar an erster Stelle.
(Cruz-Jentoft et al., Age and Ageing, 2019)
Handkraft und Sarkopenie
Sarkopenie beschreibt den altersbedingten Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse.
Die Folgen können gravierend sein:
- Sturzrisiko steigt
- Mobilität nimmt ab
- Selbstständigkeit geht verloren
- Pflegebedürftigkeit nimmt zu
Die Handkraftmessung gilt heute weltweit als eines der wichtigsten Screening-Instrumente zur Früherkennung einer Sarkopenie.
Das Besondere:
Veränderungen der Handkraft treten häufig früher auf als sichtbare Veränderungen der Muskulatur.
Dadurch können Probleme erkannt werden, bevor sie im Alltag spürbar werden.
Handkraft und biologische Alterung
Zwei Menschen können beide 60 Jahre alt sein.
Trotzdem kann ihr biologisches Alter völlig unterschiedlich sein.
Eine hohe Handkraft wird häufig mit:
- besserer körperlicher Leistungsfähigkeit
- höherer Mobilität
- besserer Stoffwechselgesundheit
- größerer Selbstständigkeit
in Verbindung gebracht.
Man könnte vereinfacht sagen:
Die Handkraft liefert Hinweise darauf, wie gut der Körper tatsächlich altert.
Handkraft und sportliche Leistungsfähigkeit
Auch im Sport spielt die Handkraft eine wichtige Rolle.
Zahlreiche Untersuchungen zeigen Zusammenhänge zwischen Handkraft und:
- allgemeiner Maximalkraft
- Sprintleistung
- Sprungkraft
- funktioneller Leistungsfähigkeit
Selbst bei Sportarten, die scheinbar wenig mit der Hand zu tun haben, findet sich häufig eine Korrelation zwischen Handkraft und Gesamtleistungsfähigkeit.
Die Erklärung ist einfach:
Wer ein leistungsfähiges Nervensystem besitzt und große Kräfte erzeugen kann, zeigt dies oft auch bei einem einfachen Handkrafttest.
Warum wir die Handkraft im KERN-Check messen
Unser Ziel ist nicht, einzelne Werte isoliert zu betrachten.
Wir möchten verstehen, wie leistungsfähig der Mensch als Ganzes ist.
Deshalb kombinieren wir die Handkraftmessung mit:
- ausführlicher Gesundheitsanamnese
- Blutdruckmessung
- Herz-Kreislauf-Analyse
- Körperzusammensetzungsanalyse
- Bewegungsanalyse
- Krafttests
- Koordinations- und Gleichgewichtstests
Erst das Zusammenspiel dieser Daten ergibt ein vollständiges Bild.
Die Handkraft liefert dabei einen schnellen, objektiven und wissenschaftlich gut untersuchten Baustein.
Was bedeutet ein niedriger Handkraftwert?
Ein niedriger Wert bedeutet nicht automatisch Krankheit.
Er kann jedoch Hinweise liefern auf:
- Bewegungsmangel
- Kraftdefizite
- Muskelabbau
- unzureichendes Training
- Erholungsdefizite
- altersbedingte Veränderungen
Entscheidend ist deshalb nicht nur der Vergleich mit Normwerten.
Mindestens genauso wichtig ist die Entwicklung über die Zeit.
Genau deshalb dokumentieren wir die Ergebnisse und vergleichen sie bei späteren Kontrollmessungen erneut.
Die gute Nachricht: Handkraft ist trainierbar
Der vielleicht wichtigste Punkt:
Handkraft ist kein Schicksal.
Studien zeigen, dass gezieltes Krafttraining die Muskelkraft selbst im hohen Alter deutlich verbessern kann.
Der menschliche Körper bleibt erstaunlich anpassungsfähig.
Mehr Kraft bedeutet häufig:
- mehr Belastbarkeit
- mehr Sicherheit im Alltag
- bessere körperliche Reserven
- höhere Lebensqualität
Deshalb betrachten wir Krafttraining nicht als Sport für wenige, sondern als eine der wichtigsten Gesundheitsmaßnahmen überhaupt.
Fazit
Die Handkraftmessung dauert nur wenige Sekunden.
Die Informationen, die sie liefert, können jedoch von enormer Bedeutung sein.
Sie gibt Hinweise auf:
- Muskelkraft
- Leistungsfähigkeit
- biologisches Alter
- Sarkopenierisiko
- Gesundheitsstatus
- körperliche Reserven
Aus diesem Grund ist die Handkraftmessung ein fester Bestandteil unseres KERN-Checks.
Denn wer seine Gesundheit verstehen möchte, sollte nicht nur auf die Waage schauen.
Manchmal reicht ein einziger Griff, um mehr über den eigenen Körper zu erfahren, als man erwartet hätte.
Wissenschaftliche Quellen
FAQ
Was ist eine gute Handkraft?
Die Handkraft hängt von Alter, Geschlecht, Körpergewicht und Trainingszustand ab. Als grobe Orientierung gelten bei Männern Werte über 40 kg und bei Frauen Werte über 25 kg als gute Ausgangsbasis. Für eine individuelle Einordnung sollten jedoch alters- und geschlechtsspezifische Referenzwerte herangezogen werden.
Warum wird die Handkraft in der Medizin gemessen?
Die Handkraft gilt als zuverlässiger Marker für Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit und gesundes Altern. Sie wird unter anderem zur Früherkennung einer Sarkopenie eingesetzt.
Kann man die Handkraft trainieren?
Ja. Regelmäßiges Krafttraining verbessert die Handkraft häufig deutlich. Besonders Übungen wie Kreuzheben, Klimmzüge, Rudern, Farmers Walks und Trageübungen wirken sich positiv auf die Griffkraft aus.
Was sagt die Handkraft über meine Gesundheit aus?
Eine niedrige Handkraft wird in wissenschaftlichen Studien mit einem erhöhten Risiko für körperliche Einschränkungen, Stürze, Krankenhausaufenthalte und verschiedenen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Wie läuft eine Handkraftmessung ab?
Die Messung erfolgt mit einem Handdynamometer. Dabei wird das Gerät mit maximaler Kraft zusammengedrückt. Der Test dauert nur wenige Sekunden und liefert objektive Informationen über die aktuelle Muskelkraft.
